Der Traum vom 944er

Sicher habt ihr bereits mitbekommen, dass ich seit geraumer Zeit ein Auge auf ein ganz besonderes Auto geworfen habe. Hierbei handelt es sich um einen 944 Porsche.
„Warum will der Babbler einen PORSCHE?! Jetzt dreht er völlig durch!“
Hier nun die Story dazu:

Ich war noch nie ein Autonarr. Seit 2007 besitze ich meinen Hyundai Accent Pony, den meine Mutter und ich damals von ihrem Vater, meinem Opa, abgekauft haben.
Für mich musste ein Auto bis dato einfach nur fahren. Form, Marke, Farbe, Inhalt, all das war mir immer egal, solange es fährt und mich von A nach B bringt.

2019 bin ich durch die Idee von einem meiner besten Freunde das erste Mal „ein wenig“ mit Motoren in Berührung gekommen. Er hatte Bock auf Mofas.
Ich hatte früher keinen Roller oder ähnliches, sondern eben einfach mein Auto. Long Story short: Er hat mir die Mofas schmackhaft gemacht, ich habe mich informiert, wir haben uns jeder eins gekauft und es war DER BANGER!
An den Mofas zu schrauben und herumzubasteln hat mir extrem viel Spaß gemacht und war zu der Zeit ein perfektes Gegengewicht zu meiner Arbeit am PC.
Am Ende konnte ich die Hercules Modelle bis auf die kleinste Schraube auseinander und wieder zusammen bauen. Über die Zeit hinweg habe ich seine Maschine (Motor + Getriebe + Räder usw.) komplett revidiert. (alles auseinander, reinigen, Verschleißteile erneuern und wieder zusammensetzen)

2022 (die Mofas sind nach wie vor geil, mein Kollege hat aber leider etwas die Lust verloren/ich bin eher alleine dran)
Ende des Jahres 2022 sind mein Kumpel und ich in seinem Sprinter unterwegs, um einen Boxsack für ihn abzuholen. Wir haben seine 6 Monate alte Tochter mit an Bord.
In Frankenthal halten wir willkürlich an einer Stelle an, weil die Kleine soooo geschriehen hat und Futter wollte.
Er steigt aus, ich steige aus und plötzlich stehe ich vor einem DELOREAN! Einfach das Auto aus „Zurück in die Zukunft“, in Frankenthal, direkt vor mir. Silber, gutaussehend, noice!
Gerade will ich genauer hinsehen und von der Seite draufschauen (man konnte nur den Ass der Karre sehen), da meint mein Kollege schon, dass das ein Porsche ist. Steht ja auch dick und fett hinten drauf… ಥ_ಥ (ich hab sooo keinen Plan von Autos)
Wir sind dann auf das Grundstück drauf, auf dem er stand (ein Verkäufer von alten Karren) und haben ihn uns genauer angeschaut.
ALLES, was das Auto an sich hat, hat sich mir in die Rübe gebrannt. Die Form, die Farbe, das Interior, die Heckscheibe, der Heckscheibenscheibenwischer, die Knöpfe, DER ASS, einfach ALLES!
Komplett versunken murmel ich vor mich hin, was das Teil wohl kosten wird, SAVE 50k oder so, ist ja ein Porsche. Unbezahlbar.
Und Sperling (mein Mate) schaut kurz ins Handy und sagt dann: „Mit 10k is datt Ding gut bezahlt“
Da war ich BAFF.
So ein geiles altes Auto und „nur“ 10k?! Für einen Porsche?!?!?! Ich dachte immer, die kosten LOCKER ne Mioooowwnen, und die alten noch mehr, weil Sammlerwert und so.
ABER DAMNNNNN, 10-20k für so ein Teil. Fuck a Doodle Doooo, das ist sogar irgendwie fast ein klein wenig greifbar.

Seit diesem Tag schlummert der Wunsch in mir, genau dieses Auto mal zu besitzen. Also zumindest die Variante, nicht genau der, der da stand.
(Auf Nachfrage kam btw. die Info, dass er einen Motorschaden hat und ich ihn für 3k hätte abholen lassen können + Abholgebühren. Man man man, hätte ich das mal gemacht, zwecks Ersatzteilen)
Nunja, seitdem bin ich immer auf der Suche nach einem guten Angebot, schaue mir alle möglichen Ersatzteilanbieter an, habe mir bereits Werkstatthandbücher für genau diesen Prosche gekauft, Do-it-yourself-Bücher usw. usf. Eben alles, was ich in die Finger bekomme.
Habe auch Kontakte zu Porsche-Profis aufgebaut, die bei allen anfallenden Arbeiten helfen können.
Von Fimocore (Livestreamzuschauer) habe ich einen Porsche 944 Turbo in der Hotwheels-Variante bekommen, der hinter mir am Regal hängt.

Was den Porsche über meinen Willen hinaus noch etwas besonderer macht (aber Obacht, Tränendrüßeninhalt!!! Nicht lesen, wenn ihr grade selbst in Trauer lebt!):
Meine Mutter und ich haben uns in den letzten 10 Jahren diverse Male im Jahr auf den aktuellsten Stand gebracht, was die Zukunftsvisionen des jeweils anderen angeht. Wünsche, Träume usw. (wie man sich das Leben dann gerne gestalten würde)
(Natürlich haben wir uns darüber hinaus mehrfach die Woche gesehen, diese speziellen Talks haben wir aber nur unter uns gemacht, bei einem schönen Spaziergang zum Beispiel)

Oft ging es um ihre und meine Arbeit, wir haben uns gegenseitig Mut zugesprochen, ich habe viel von ihr für meine Arbeit gelernt. Sie war fast ihr ganzes Leben lang freiberuflich/selbstständig unterwegs. Das habe ich immer sehr an ihr bewundert.
In den letzten 5 Jahren ging es ab und an auch um Dinge, die wir noch gerne machen bzw. kaufen wollen würden. Bei ihr war es eine Balkonsolaranlage, die wir vor ca. 3 Jahren realisiert haben, bei mir gab es eigentlich nicht viel.
Bei unserem vorletzten Talk, ca. 2023, ging es ihr hauptsächlich um ihre Rentengestaltung, direkte Kaufwünsche hatte sie eigentlich keine.
(Sie ist in sehr ärmlichen Verhältnissen großgeworden und hat sich über ihr Arbeitsleben hinweg die Möglichkeit aufgebaut, sich und ihren Kindern alles gönnen zu können, was sich gewünscht wird. In einem normalen Rahmen versteht sich.
Bei diesem vorletzten Treffen hatte ich ihr gesagt, dass ich eigentlich alles besitze, das ich gerne hätte. Drei Spaß- bzw. Wahnsinnswünsche hatte ich aber schon:
1. die aktuelle X-Box (Series X)
2. das Steamdeck
3. einen 944 Porsche

Bei unserem letzten Talk, Sommer 2024, haben wir wieder abgeglichen, wie die Wünsche aktuell so stehen und wie es auf der Arbeit läuft.
Arbeit war bei uns beiden passend. Ihre materiellen Wünsche und Vorstellungen waren in den richtigen Bahnen. Ich besaß, dank EUCH, meiner Babbler-Community, eine X-Box Series X sowie ein Steamdeck.
Somit fehlte nur noch der Porsche…

Sie fand die Idee immer kühn und zugleich durchgedreht. „Sowas kauft man sich, wenn man alt ist. Das ist doch viel zu viel Geld.“
Meine Argumente waren folgende: Ich will das Teil fahren und genießen, wenn ich noch ohne Rücken oder Beinschmerzen ein und aussteigen kann UND VOR ALLEM will ich ihn JETZT haben, weil im Moment alles super ist. Niemand ist krank, allen geht es gut, jeder geht seinen Weg, nichts verhagelt einem die Stimmung.
Vor allem das letzte Argument fand sie doch recht überzeugend. So war das Thema Porsche von da an ein witziges Thema mit Wahnsinnskomponente.

Leider ist meine Mutter Ende letzten Jahres nach plötzlicher und starker Krankheit innerhalb einer Woche gestorben. Diese Woche sowie die Wochen und Monate danach stellten die bis dato schlimmste Zeit in meinem Leben dar. Auch während ich das hier schreibe, bewegt mich der Gedanke an die Zeit sehr.
Es gibt vieles, das ich ihr heute gerne sagen oder zeigen wollen würde.

Natürlich war der Gedanke an den Porsche mit Eintreten ihrer Krankheit nicht mehr existent. Ihre letzte Woche war von extremen Tiefen und ein paar wenigen Höhen geprägt.
Eine Stunde nach ihrem Ableben waren wir, meine Frau, meine Schwester und ich in der Klinik, um ihre Sachen abzuholen und die letzten Maßnahmen in Gang zu bringen. Es war absolut beschissen.
Ich habe mit den Krankenschwester und dem Stationsarzt alles geklärt und meine Frau hat das Hab und Gut meiner Mutter in eine Tüte gepackt.

Ab ins Auto und heim. Die Stimmung im Auto war gedrückt und keiner wusste so recht, was er sagen soll.
Wir waren keine 5 Minuten gefahren, da standen wir auch schon vor einer fetten Kreuzung an einer Ampel. Die Sonne kam gerade aus den Wolken heraus. Links, direkt neben uns, kam ein weißer 944 Porsche zum Stehen.
Ich musste sofort an das letzte Gespräch mit meiner Mutter denken. Und schon liefen die Gespräche im Auto auf Hochtouren.
Anekdoten, schöne Momente, Gespräche, die man mit ihr hatte und wie dankbar wir alle waren, dass wir sie so lange in unserem Leben haben durften. Sie war eine ganz besondere Frau, die immer ALLES für ihre Familie gegeben hat.

Dieser weiße Porsche hat sich für mich wie ein Zeichen angefühlt. Ein Schmunzeln von meiner Mutter mit der Nachricht, dass man gute Gedanken sowie Träume selbst in den dunkelsten Zeiten nicht aus den Augen verlieren sollte.

Schätzt die Menschen, die um euch herum sind und behaltet immer euren Kurs im Blick.

Vielen Dank.